Ja!
Wir sitzen nebeneinander auf schlichten Holzstühlen.
Nach meinem Empfinden werden sie dem Anlass eben so wenig gerecht wie der nüchterne, weiß getünchte Raum.
Der Beamte vor uns liest mit unbewegter Miene stumm in einem Dokument und scheint dabei vergessen zu haben, dass wir hier auf eines der einschneidendsten Ereignisse unseres Lebens warten.
Ich horche in mich hinein, versuche eine Beschreibung für meine aufgepeitschten Gefühle zu finden – vergebens!
Wer hätte gedacht, dass ich einmal hier sitzen werde?
Ich, der stets vor seinen Freunden damit geprahlt hat, ihm könne das nicht passieren. Dem diese Freunde lachend erklärt hatten, man solle niemals nie sagen.
Ich schaue dich an, versuche in deinem Gesicht abzulesen, was in diesem Moment in dir vorgeht. Du scheinst meinen Blick nicht zu bemerken.
Die Aufregung!
Ob wir das Richtige tun?
Wir haben nichts überstürzt, haben uns Zeit gelassen und immer wieder darüber geredet, wie es wohl sein wird und ob wir uns auch beide ganz sicher sind, dass wir diesen Schritt tun wollen.
Jetzt bemerkst du, dass ich dich die ganze Zeit ansehe.
Du wendest dich mir zu.
Unsere Blicke treffen sich, scheinen miteinander zu verschmelzen und einen Korridor zu bilden, der uns von der Außenwelt abschirmt. In dem nur wir die stumme Frage hören, die wir uns ein letztes Mal gegenseitig stellen.
Bist du dir sicher?
In dem nur wir die Antwort sehen. Eine Antwort ohne Worte, ohne Ton.
Ja, ich bin mir sicher!
Der Beamte steht auf und mein Herz beginnt zu rasen.
Jetzt!
Wir erheben uns gleichzeitig.
Der Mann wendet sich zuerst an mich und stellt diese eine Frage.
Ich spüre deinen Blick und zögere einen kurzen Moment.
Dann sage ich laut: „Ja.“
Als wir das Gebäude verlassen, nimmst du meine Hände.
„Werden wir Freunde bleiben?“
„Ja“, sage ich.
Dann gehen wir in verschiedene Richtungen davon.




